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Veterinärmedizin

Trennungsangst

von Dipl. TA Mag. Stefan Lorenz

Junge Frau mit Katze © fantom_rd - Fotolia.com



Frauen und Katzen haben eine besondere Beziehung zueinander. Wie tief diese Beziehung gehen kann, zeigt uns Bonnies Fall.

Bonnie ist ein schöner großer Europäisch Kurzhaar „Wohnungs-Kater“. Er ist drei Jahre alt, bringt sieben Kilo auf die Waage und ist kastriert. Sein Problem: Immer wenn Frauchen zwei oder drei Tage verreist, muss er alle 30 bis 60 Minuten aufs Kisterl, auch wenn sie längst wieder zu Hause ist. Das geht nun schon seit dreieinhalb Monaten so.
Bonnie wurde auf Herz und Nieren durchgecheckt. Da er körperlich vollkommen gesund ist, musste das Problem also an seiner sensiblen Katzenseele liegen. Für Frauchen ein Fall für den Homöopathen, denn die zunächst verordneten Antidepressiva halfen zwar, waren aber nur schwer zu verabreichen. Außerdem fürchtete Frauchen die Nebenwirkungen einer Dauermedikation mit Psychopharmaka. Die kennt sie genau, denn sie arbeitet für einen Pharmakonzern der u.a. Antidepressiva herstellt.

Hausbesuch vom Homöopathen
Um Bonnie besser kennenzulernen besuchte ich meinen Patienten zu Hause. Er zeigte sich kurz, riss die Augen auf und floh in weiten Sprüngen unter das Sofa. Während meines zweistündigen Gesprächs mit Frauchen huschte er nur drei Mal kurz aufs Katzenklo. Bonnie ist ein vorsichtiger Kater. Er ist sehr schreckhaft. Vor Menschen in dunkler Kleidung flieht er mit buschigem Schwanz in sein Versteck.
Bonnie bewohnt die untere und die mittlere Etage der Wohnung, d.h. er bleibt am Boden oder nutzt Sofa, Kratzbaum und die unteren Regale. Weiter hinauf, etwa in Schränke oder in die oberen Regale geht er nicht. Besonders wohl fühlt er sich in Höhlen oder nestartigen Plätzen.

Die große Liebe
An seinem Frauchen hängt Bonnie sehr. Er folgt ihr auf Schritt und Tritt. Geht sie in die Küche steht er auf und geht mit, geht Frauchen ins Bad, um sich für die Arbeit fertig zu machen, geht auch er ins Bad.
Bonnie ist ein Dauerschmuser. Die große Liebe beruht auf Gegenseitigkeit und so gibt ihm Frauchen ausgiebige Streicheleinheiten. Umso schwerer fällt es ihr ihn alleine zu lassen, wenn sie wieder einmal übers Wochenende zu einem Seminar muss. Wird der Koffer gepackt, miaut er kläglich und setzt sich hinein. Eine solche Anhänglichkeit ist eigentlich nicht katzenhaft und daher ebenso ein wichtiger Hinweis für die Arzneimittelwahl wie seine Schreckhaftigkeit.

Trennungsängste
Der Grund für Bonnies Trennungsängste ist in seiner Geschichte zu finden. Er ist ein Findelkater und musste schon in den ersten Tagen seines Lebens den Tod seiner Mutter, eines Bruders und seines Schwesterchens erleben. Sein anderes Brüderchen lebt übrigens bei Frauchens Schwester. Doch während sich diese frühen Kindheitserlebnisse bei ihm in aggressivem Verhalten widerspiegeln, richtet Bonnie diese Negativenergie nach innen. Er reißt sich Haare am Hals aus und läuft, wenn er alleine gelassen wird, alle 30 bis 60 Minuten aufs Kisterl, wobei aber nur eine kleine Menge Harn abgeht. Bis zu 20 kleine Klümpchen findet Frauchen oft.

Die Suche
Nun, nachdem ich alles über Bonnie wusste und ihn, wenn auch aus der Ferne, kennengelernt hatte, konnte ich mich auf die Suche nach dem richtigen Mittel begeben. Bonnies Anhänglichkeit, seinen emotionale Abhängigkeit, seine subdominante und unterwürfige Art sprechen eigentlich für Calcium carbonicum Hahnemani. Doch was bei diesem homöopathischen Mittel nicht zu finden ist, ist der häufige Harndrang. Also suchte ich weiter und fand das einzige Mittel, das auch den unaufhörlichen Harndrang nach Traurigkeit beschrieb. Es war Mandragora, die Alraune. Allerdings zeigte Bonnie nur wenige Symptome, die sich bei Mandragora finden. Ich recherchierte weiter und fand eine Arbeit, die mir die notwendigen Hintergrundinformationen zu diesem Mittel lieferte. Die darin beschriebenen Fälle hatten durchwegs heftige Traumatisierungen erlebt, so wie auch Bonnie als kleines Katzenbaby. Ich verordnete also Mandragora. Fünf Globuli wurden zerrieben und Bonnie abends in die Lefzen gerieben. Eine weitere Gabe bekam er am nächsten Morgen.

Gesunde Beziehung
Schon in den ersten zwei Tagen nach der Behandlung normalisierte sich die Frequenz mit der Bonnie das Kisterl aufsuchte. Es finden sich zwei bis drei große Klumpen Streu, das entspricht einem normalen Harnabsatz. Nach einer Woche entspannte sich Bonnie merklich. Und auch seine Anhänglichkeit konnte in die richtigen Bahnen gelenkt werden. Er folgt seinem Frauchen nicht mehr pausenlos. Er suchte nicht mehr Höhlen und Nester auf, sondern legt sich offen auf das Sofa. Er schläft weiter, auch wenn es raschelt. Und auch verreisen kann Frauchen nun ohne schlechtes Gewissen. Die Katzenmama ist glücklich. Einziger Wermutstropfen: auch zum Spielen kommt Bonnie nicht mehr so oft.


Dipl. TA Mag. Stefan Lorenz

Mag. Stefan Lorenz studierte Veterinärmedizin Wien und hat Ausbildungen in Klassischer Homöopathie und Veterinärphytotherapie absolviert. Er ist Mitglied der internationalen Gesellschaft für Anthroposophische Tiermedizin. Stefan Lorenz hält Vorträge im In- und Ausland. Außerdem schreibt er Artikel für komplementärmedizinische Fachzeitschriften.
Seit 2010 betreut er seine PatientInnen in seiner eigenen Praxis in Mistelbach. Außerdem kümmert er sich um PatientInnen in den Tierkliniken Hollabrunn und Wien Währing.

 

Foto: © fantom_rd - Fotolia.com

 

 

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