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Klassische Homöopathie

Wenn Verdauungsprobleme chronisch werden

von Dr. Erfried Pichler

Der Mensch und sein Darm © Sebastian Kaulitzki - Fotolia.com

 
Immer wiederkehrendes Sodbrennen, chronische Magenleiden wie Gastritis oder auch chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa können das Leben massiv beeinträchtigen. Viele Menschen leiden oft Jahre lang an den Beschwerden bis sie die richtige Diagnose und Behandlung erhalten.


Etwa jeder fünfte Erwachsene leidet einmal pro Monat unter Sodbrennen – meist nur ein sogenannter „Gelegenheitsreflux“ nach üppigen Mahlzeiten, wenn Mageninhalt in die Speiseröhre aufsteigt. Treten die Beschwerden täglich oder mindestens zwei- bis dreimal pro Woche auf, liegt eine Refluxkrankheit (Gastroesophageal Reflux Disease – GERD) vor.

Gastritis ist eine Entzündung der Magenschleimhaut. Bei der chronischen Form wird zwischen der Autoimmungastritis (Typ A), der bakteriellen Gastritis (Typ B) ausgelöst durch Helicobacter pylori und Gastritis Typ C, verursacht durch chemische oder toxische Reize wie Gallenflüssigkeit, Alkohol, Medikamente (Aspirin®), unterschieden. Die Symptome sind Druckschmerz im Magenbereich, Koliken im Oberbauch und Blähungen, die je nach Krankheitstyp in den meisten Fällen mit entzündungs- und säurehemmenden Medikamenten (Typ A und C) und Antibiotika (Typ B) behandelt werden. Auf Dauer sind diese Medikamente keine Lösung, denn sie haben auch Nebenwirkungen.

Morbus Crohn und Colitis ulcerosa äußern sich durch starke Bauchschmerzen, Durchfälle, Fieber sowie Fistelbildungen zu benachbarten Organen oder rund um den After. Unerkannt können diese Erkrankungen schwere Folgen wie Darmverschluss, Blutungen im Darm bis hin zu Darmdurchbrüchen haben. In der konventionellen Therapie kommen hauptsächlich Kortison, Azathioprin und Biologika, neuerdings auch Antibiotika zum Einsatz. Diese mildern die Krankheit, erzielen jedoch bis dato keine Heilung.

Homöopathische Mittel helfen gegen viele Verdauungsbeschwerden, wie die folgende Übersicht zeigt. In der Homöopathie wird neben den körperlichen Beschwerden der ganze Mensch in seiner Individualität betrachtet. Lebensumstände müssen mitunter angepasst und mögliche Auslöser wie Stress und falsche Ernährung reduziert werden. Bei starken und lang anhaltenden Beschwerden sollte auf jeden Fall immer ein Arzt zu Rate gezogen werden!

Hilfreiche Homöopathika bei chronischen Magen-Darm-Erkrankungen


Sodbrennen/GERD

Sodbrennen nach üppigen Mahlzeiten, Kaffee-, Alkohol-, Zigarettenkonsum, eventuell begleitet von Spannungskopfschmerzen kann mit Strychnos nux-vomica C 12 (Brechnuss) gelindert werden. Bei übersäuertem Magen, Sodbrennen mit leerem Magen oder nachts im Liegen und sauer riechendem Schweiß oder Stuhl hilft Robinia pseudoacacia C 12 (Falsche Akazie) – drei Mal täglich 5 Globuli bis zur Besserung, dann Abstände verlängern bis zum Abklingen der Beschwerden.

Chronische Gastritis

Bei Blähungen, die durch ungewohnte Kost, auf Reisen oder nach Medikamenteneinnahme enstehen, kommt Okoubaka aubrevillei C 12 (Okoubakabaum) zum Einsatz. Schmerzhafte Blähungen während dem Essen deuten auf Lycopodium clavatum C 12 (Keulenbärlapp) hin. Tritt das Völlegefühl erst einige Zeit nach dem Essen auf ist Strychnos nux-vomica C 30 (Brechnuss) das Mittel der Wahl. Carbo vegetabilis D 12 (Holzkohle) ist anzudenken, wenn fettreiches Essen, Fleisch und Milchprodukte oder generelle träge Verdauung zu Bauchschmerzen mit übelriechenden Blähungen und häufigem Aufstoßen führen.
Auch andere Einzelmittel können je nach Beschwerdebild und Eigenschaften bei einer Gastritis Linderung bringen, wie etwa jene, die auch bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen hilfreich sind.

Chronische Darmentzündungen

Unter den rund 30 Arzneien, die einen starken Bezug zu chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen aufweisen, haben vor allem Mercurius solubilis (Quecksilber), Acidum nitricum (Salpetersäure) und Acidum arsenicosum einen hohen Stellenwert. Häufig werden diese Arzneien in LM-Potenzen verabreicht, in Akutphasen zusätzlich durch C30 ergänzt. Die Behandlung erstreckt sich über Monate bis Jahre.

Mercurius solubilis entspricht vor allem Menschen, die vorwiegend nachts unter heftigen Bauchbeschwerden besonders rechtsseitig leiden und bei denen blutig-eitrige Stühle sowie übelriechender Schweiß auftreten. Sie sind gerne an der frischen Luft, vertragen aber weder Hitze noch Kälte gut, sondern bevorzugen eine wohltemperierte Umgebung. Typisch sind süßlicher, metallischer Mundgeruch und vermehrter Speichelfluss. Diese Menschen sind relativ rasch geschwächt, nervös, neigen zu Reizbarkeit, Ärgerlichkeit, Streitlust und Aggressivität. Sie haben Verlangen nach Alkohol, Brot und Fleisch, vertragen diese jedoch nicht gut. Auch Medikamentenmissbrauch ist häufig.

Acidum nitricum: Insbesondere bei Fistelbildungen ist an diese Arznei zu denken. Meist handelt es sich um leicht reizbare Menschen mit großen Ängsten (z.B. vor einer Tumorerkrankung) und hoher Geräusch- und Berührungsempfindlichkeit. Sie sind besonders anfällig für andere Erkrankungen – häufig mit Durchfall kombiniert. Im Rahmen von Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa treten oft stark blutende Darmgeschwüre und extrem übelriechender Stuhl auf. Die Patienten können sich aufgrund der Schmerzen in der Nacht kaum erholen. Als angenehm und beruhigend empfinden diese Menschen, wenn sie sich ganz entspannt bewegen können oder – noch besser – ruhig bewegt werden, wie zum Beispiel beim Autofahren oder in einem Schaukelstuhl.

Acidum arsenicosum: Bei Patienten, die bereits geschwächt sind, nachts große Unruhe aufweisen, viel Wärme brauchen und unter Ängsten sowie vorwiegend brennenden Schmerzen im Bauchbereich leiden, ist Acidum arsenicosum ein Mittel der Wahl. Daraus lässt sich auch rückschließen, dass homöopathische Arzneien sowohl bei akuten als auch bei chronischen Leiden verwendet werden können und müssen, wenn die Symptome stimmen.

Sensible Verdauung

Das Verdauungssystem gilt in der Homöopathie als ein Zentralorgan zur Verarbeitung von Emotionen. Diese engen Verbindungen zwischen den Gefühlen und der Verdauung spiegeln sich auch in vielen Redewendungen wider, zum Beispiel: „Das liegt mir im Magen“ oder „Das ist zum Speiben“. Daher wird gerade bei chronischen Verdauungsbeschwerden in der Homöopathie ein besonderes Augenmerk auf psychische Aspekte gelegt. Beispiele für bewährte Mittel bei Magen-Darm-Problemen mit psychischen Hintergründen sind Strychnos nux vomica, Lycopodium clavatum, Phosphorus und Ignatia.

Weitere Infos zu den Arzneimitteln bei Verdauungsbeschwerden unter www.homoeopathiehilft.at

Dr. Erfried Pichler

Dr. Erfried Pichler ist Allgemeinmediziner und Homöopath mit Arztpraxen in Klagenfurt und Wien. Außerdem leitet er die homöopathische Ambulanz an der Kinderonkologie im Klinikum Klagenfurt. Zu seinen Schwerpunkten zählen u.a. die integrative Behandlung von Krebserkrankungen und die Schmerztherapie. Weiters ist er gerichtlich beeideter und zertifizierter Sachverständiger für Allgemeinmedizin mit Schwerpunkt Homöopathie und Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Homöopathische Medizin (ÖGHM). Neben seiner Lehrtätigkeit bei der ÖGHM bestreitet Dr. Erfried Pichler auch Vorträge für Laien, u.a. für den Verein Initiative „Homöopathie hilft!“ und im Rahmen der MINI MED-Reihe..


Fotocredits: Der Mensch und sein Darm © Sebastian Kaulitzki - Fotolia.com



 

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