Kolumne
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EM-reif mit Homöopathie

Sollte sich ein geneigter Leser nicht für die Fußball-Europameisterschaft interessieren, so sei betont, dass es für Homöopathen ein unglaublicher Verlust wäre, sich diesem Thema nicht zu widmen. Denn der beste Beweis für die Wirksamkeit der Homöopathie liefert uns der Fußball. Vor allem wenn man sich vor Augen hält, dass ein einzelner Globulus (der Ball) Millionen von Menschen in ihrer Geist-Gemütsverfassung massiv zu beeinträchtigen vermag.

Aber es stellt sich vor allem die Frage, ob man unseren unglücklichen Kickern, die es ja diesmal nicht geschafft haben sich für die EM zu qualifizieren, vielleicht homöopathisch ein wenige auf die Sprünge helfen kann. Geht man nach dem Platon-Aristoteles'schen Vier-Ursachen-Schema, so lässt sich das spielerische Versagen tatsächlich nur an vier Ursachen festmachen: 1. Sturm; 2. Mittelfeld; 3. Verteidigung und 4. Tor. Und ich denke mir, mit dem passenden Similimum, also der ähnlichsten Arznei, müsste dies wohl zu schaffen sein.

Im Organon §3 heißt es doch, man möge Hindernisse der Heilung aus dem Weg räumen. Ein erster Vorschlag zur Begleittherapie wäre es demnach, die gegnerische Mannschaft auf fünf Leute zu reduzieren und sie zu bitten, sich an die Seitenlinien zu stellen.

Für die Arzneifindung gibt es klare Modalitäten: Verschlechterung durch ein Tor rein hinten, Verbesserung durch ein Tor rein vorne. Und in unserem Repertorium finden sich einige schöne Rubriken. Meine Kollegen und ich bemühten uns, um über die von mir sorgsam herausgesuchten Symptome ein Mittel zu evaluieren: Schwäche schon bei geringster Anstrengung;
Gefühl der Hilflosigkeit;
Abneigung gegen das Näher kommen von Personen (für den Torhüter);
Leicht beleidigt (für alle Spieler plus Trainer).

Man könnte auch an Dulcamara denken, aufgrund des Verweilens bei vergangenen, glücklichen Augenblicken (Cordoba 1978). Auch das sykotische1 Thuja blinzelt hervor: Die langsamen Antworten bei den Interviews, Furcht beim Anblick grüner Streifen und vor allem die Wahnidee, sich zu bewegen sprechen dafür.

Doch der verminderte Orientierungssinn (bei Ball-Nähe) und die Rubrik simuliert, krank zu sein (bei Schiedsrichter-Nähe) weist auf ein anderes Mittel hin. So kann der erfahrene Homöopath durchaus viele Züge von Lycopodium erkennen. Bestätigend wären das vorzeitige Altern (die Spieler schauen tatsächlich am Platz ganz schön alt aus) und auch die vermehrten Blähungen. Lycopodium fühlt sich schließlich nur dann geschätzt, wenn eine Leistung vollbracht wird. Und darauf müssen wir vielleicht noch viele Jahre warten.

Einig waren sich die Kollegen, dass es sich bei der Mannschaft nur um ein psorisches Miasma (Krätzesiechtum; laut Hahnemann ein Grundübel für chronische Krankheiten) handeln kann. Zudem sich die Protagonisten fast unentwegt im Schritt kratzen. Die Zusendung der Arznei an den ÖFB wurde veranlasst. Sollte der Erfolg auch dann noch ausbleiben, wäre als Folgemittel die Hickersberger-Nosode anzudenken.

1 Sykose: Theorie zu den chronischen Krankheiten

Dr. Ronny Tekal-Teutscher ist Mitbegründer des Medizinkabaretts www.medizinkabarett.at.
Mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Gesellschaft für Homöopathische Medizin (ÖGHM.

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