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Der große und schonungslose Homöopathen-Check


Die Homöopathie–Typen

Jeder Patient bekommt den Homöopathen, den er verdient. Wenn er mehr verdient, kann er sich den Homöopathen aussuchen. Und aus einer Reihe verschiedener Typen wählen…

Eso-Homöopath – Keine Globuli-Gabe wird ohne die vorhergehende spirituelle Reinigung von Praxis, Patient und Toilette verabreicht. Alle auch nur im Entferntesten denkbaren Methoden kommen im Rahmen einer Sitzung zur Anwendung.
Nachteil: Manchmal nicht ganz nachvollziehbare Repertorisation auf Aura-Basis.
Vorteil: Hoher Wohlfühlfaktor. Möglichkeit zur kosmisch-universellen Heilung.

Fundi-Homöopath – Auf einen Nenner gebracht: Alles, was nach dem amerikanischen Homöopathen James Tylor Kent an Fachliteratur verfasst wurde ist Frevel. Diese sympathische Eigenschaft macht den Fundi-Typen zu einem umgänglichen und offenen Zeitgenossen. Hat nur alte, aber sehr, sehr dicke Bücher. Betreibt ein Leben lang Ahnenforschung, um festzustellen, ob er ein direkter Nachkomme Hahnemanns ist.
Nachteil: Bekommt bei der Nennung des Namens „Scholten“ (Anm.: Jan Scholten, niederländischer Homöopath, machte alle Elemente des Periodensystems der Homöopathie zugänglich) Schaum vor dem Mund.
Vorteil: Billig in der Haltung.

Allo-Homöopath (auch Wischi-Waschipath) – Es macht eigentlich keinen Unterschied, ob nun eine Batterie antibiotischer Geschütze auf den Patienten abgefeuert wird, oder ein paar Globuli. Vorliebe für Komplexpräparate, wie „Schnupfi-weg“ oder „Psychi-gut“.
Nachteil: Ohne Computer-Repertorisations-Programm aufgeschmissen
Vorteil: Höhere ppm-Rate (patients pro minute). Rechnet meist per E-Card ab.

Zitatopath – Keine „Spaghetti di mare”, ohne eine kleine Anekdote zu den Meeresarzneien – z.B. Sepia, dem Tintenfisch – zum Besten zu geben; keine Handywerbung mit „Frag doch den Inder“, ohne den berühmten indischen Homöopathen Sankaran zu zitieren. Allwissend, nie um eine Aussage verlegen und das Ego des Gegenübers stets etwas kleiner werden lassend. Kann Hahnemanns Hauptwerk, das Organon rückwärts auswendig pfeifen.
Nachteil: Alles, was man sagt kann gegen einen verwendet werden.
Vorteil: Man erspart sich teure Audio-Bücher.

Fanatopath – Schon ins pathologische gehende Dysregulation, die durch ein Zuviel an Beschäftigung mit homöopathischer Materie gekennzeichnet ist. Alle Anzeichen von Suchtverhalten. Braucht täglich eine Dröhnung potenziertes Kraut. Als Hahnemann-Junkie nur schwer gesellschaftsfähig. Durch die Adern fließen Kugerl.
Nachteil: Vernarrt in die Homöopathie.
Vorteil: Vernarrt in die Homöopathie.

Antipath – (kein Homöopath) Sieht sich als kritisch denkender Schulmediziner verpflichtet, kritische Kritik unter das ahnungslose Volk zu bringen. Allergisch gegen jede Art von Potenzierung. (Nimmt daher auch aus Prinzip kein Viagra.) Sieht nur, was messbar ist. Misst nur, was sichtbar ist. Süßt den Morgenkaffee trotzig mit Globuli.
Nachteil: Nervt, wie ein Wimmerl am Hintern.
Vorteil: Durch die Antipathen wird die zerstrittene homöopathische Gemeinschaft wieder geeint.

Nun lieber Patient, liebe Patientin, hast Du die Wahl…
Dr. Ronny Tekal-Teutscher ist Mitbegründer des Medizinkabaretts www.medizinkabarett.at
Mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Gesellschaft für Homöopathische Medizin (ÖGHM)

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