Viele Frauen kennen es: das meist plötzliche Brennen und Stechen beim Wasserlassen, oft begleitet von häufigem Harndrang. Blasenentzündungen sind ein schmerzhaftes Leiden. Tatsächlich treten Harnwegsinfekte bei Frauen wesentlich häufiger als bei Männern auf. Aber warum?
Warum Frauen häufiger von Harnwegsinfekten betroffen sind
Einerseits ist dies anatomisch bedingt: Aufgrund der kürzeren Distanz von Harnröhre und Anus und der kürzeren Harnröhre kommt es leichter zu Infektionen mit Darmbakterien wie E. coli oder Enterokokken. Bei Frauen sind es auch Veränderungen im Hormonhaushalt wie im Menstruationszyklus, bei Schwangerschaften und in den Wechseljahren, die einen Infekt begünstigen.
Kälte, Nässe und Wetterwechsel als mögliche Auslöser
Sehr häufig sind die Auslöser temperatur- beziehungsweise wetterbedingt: feuchte Kälte, kalter Wind oder Zugluft, Wetterwechsel, vor allem von warm nach kalt, aber auch kalte Füße, das Anbehalten von nasser Badebekleidung oder das Sitzen auf kaltem Untergrund können einem Harnwegsinfekt vorausgehen.
Mechanische Reizung, Erkrankungen und emotionale Belastungen
Weitere Gründe sind mechanische Reizungen im Urogenitaltrakt: Hierzu gehören neben dem Geschlechtsverkehr, der sogenannten „Honeymoon-Zystitis“, auch Katheterisierungen, Operationen oder Entbindung.
Ein geschwächtes Immunsystem sowie bereits bestehende akute, aber auch chronische Erkrankungen wie Diabetes führen ebenfalls zu einer höheren Infektneigung.
Nicht unterschätzt werden dürfen emotionale Komponenten wie Stress, Ärger, Schock und Ähnliches, die ebenfalls als Ursache infrage kommen können, da auch diese Faktoren das Immunsystem schwächen.
Woran erkennt man einen Harnwegsinfekt?
Typische Symptome sind teils heftige Schmerzen vor, während beziehungsweise nach dem Harnlassen. Diese können sich brennend, stechend, schneidend und krampfartig anfühlen und dabei auch ausstrahlen. Zumeist besteht starker, ständiger Harndrang. Auch die Harnmenge ist verändert, manchmal kann kaum Harn abgesetzt werden und die Blase nur schwer vollständig entleert werden.
Geruch und Aussehen des Urins sind meist ebenfalls verändert: Der Harn kann heller, dunkler, trüb, schleimig, schaumig oder sogar blutig sein. Hier in jedem Fall zum Arzt. Ein Urintest, zum Beispiel mittels Teststreifen, sichert oft die Diagnose.
Wann sollte ein Arzt aufgesucht werden?
Wenn die Beschwerden einige Tage anhalten, sich verschlechtern oder Fieber auftritt, sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden, um schwerwiegende Erkrankungen wie zum Beispiel Entzündungen des Nierenbeckens unbedingt zu verhindern.
Immer zum Arzt, wenn ein Kind oder eine schwangere Frau betroffen ist, eine Vorerkrankung wie Diabetes mellitus besteht sowie wenn es immer wieder zu Blasenentzündungen kommt.
Konventionelle Behandlung und unterstützende Maßnahmen
- Viel trinken: Stilles Wasser oder Kräutertees eignen sich besonders, um die Blase gut durchzuspülen und die Bakterien auszuschwemmen, zum Beispiel Brennnessel, Bärentraubenblätter, Goldrute, Tausendgüldenkraut, Liebstöckel, Rosmarin oder Kapuzinerkresse. Auf Zucker sollte verzichtet werden.
- Warm halten: Da Kälte und Nässe oft auslösend sind, helfen Wärmflaschen und warme, trockene Kleidung sowie warme Socken. Unbedingt nach dem Baden die nasse Badebekleidung ausziehen und nicht auf kalte Untergründe wie Steinböden setzen.
- Blase vollständig entleeren: Im Restharn können sich Bakterien halten. Bei Neigung zu Blasenentzündungen sollte direkt nach dem Geschlechtsverkehr die Toilette aufgesucht werden. Wichtig ist auch eine entsprechende Intimhygiene, etwa das Abwischen von vorne nach hinten und die Reinigung des äußeren Genitalbereichs mit warmem Wasser.
- Unterstützend: Die in Cranberry-Extrakten enthaltenen Proanthocyanidine wirken entzündungshemmend. Sie sind häufig als Granulat, Saft oder Kapseln erhältlich. D-Mannose ist ein Einfachzucker, der die Bakterien an sich bindet und so deren Anheften an der Blasenschleimhaut verhindert. Dabei wird die Ausscheidung über den Urin gefördert. D-Mannose ist auch für Diabetiker geeignet.
Antibiotika und nicht antibiotische Therapieoptionen
Bei Harnwegsinfekten kann der Einsatz von Antibiotika notwendig sein. Jedoch gilt gemäß aktueller S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Urologie e. V.: „Die Diagnose einer Harnwegsinfektion und die Indikation zu einer Antibiotikatherapie soll kritisch gestellt werden, um unnötige Therapien und Resistenzentwicklungen zu vermeiden.“
Empfehlungsgrad A, Evidenzlevel Ia.
Und weiter: „Bei nicht geriatrischen Patienten sollte die alleinige nicht antibiotische Therapie als Alternative zur antibiotischen Behandlung erwogen werden. Eine partizipative Entscheidungsfindung mit den Patienten ist notwendig.“
Als nicht antibiotische Therapieoptionen werden neben nicht steroidalen Antirheumatika, also entzündungshemmenden und schmerzstillenden Medikamenten wie Diclofenac und Ibuprofen, auch Uva ursi, Bärentraubenblätter, genannt, die entzündungshemmend und antibakteriell wirkt. Bärentraubenblätter werden phytotherapeutisch als Tee, Tinktur oder als Extrakt in Tabletten oder Kapseln eingesetzt.
Leitlinien werden von Fachpersonen auf Basis aktueller Forschungsergebnisse entwickelt und stellen wissenschaftlich fundierte Empfehlungen zur Diagnose und Behandlung von Erkrankungen dar, sind jedoch im Unterschied zu Vorschriften nicht bindend.
Homöopathie bei Harnwegsinfekten
Homöopathische Arzneimittel können bei Harnwegsinfekten eingesetzt werden. Auch wenn zusätzliche Therapien, wie gegebenenfalls Antibiotika, notwendig sein sollten, können Homöopathika additiv gegeben werden.
Welche Arzneien hier infrage kommen können, lesen Sie bei unserer Rubrik „Bewährte Indikationen“.
Arzneimittelbild: Equisetum hymenale
Winter-Schachtelhalm
Botanik und Vorkommen
Der Winter-Schachtelhalm ist eine krautige, immergrüne Pflanze aus der Familie der Schachtelhalmgewächse, Equisetaceae, deren dunkelgrüne, harte, unverzweigte Sprosse circa fünf bis zehn Millimeter dick werden und eine Wuchshöhe bis 130 Zentimeter erreichen können. Die Sprosse weisen 15 bis 25 Rippen auf. Die an der Spitze liegenden Ähren bilden im Sommer Sporen aus.
Der Winter-Schachtelhalm ist in Europa und Nordamerika verbreitet und gedeiht in Auwäldern, Mooren und wasserreichen Waldrändern. Vor der Erfindung des Schleifpapiers im 19. Jahrhundert wurde er zum Glätten von Oberflächen für Schnitzereien verwendet. Als Zierpflanze findet man ihn oft an Gartenteichen. Er gilt als tiefwurzelnder Wasseranzeiger, was in der Signaturenlehre ein Hinweis auf den Bezug zu den Harnorganen sein kann.
Schachtelhalme in der Medizin
In der Volksmedizin findet der Winter-Schachtelhalm aufgrund seines Gehaltes an Alkaloiden, vor allem Palustrin, und der damit verbundenen Giftigkeit kaum Anwendung. Eine schweißtreibende Wirkung sowie der Einsatz bei Aszites, der Bauchwassersucht, sind jedoch bekannt.
Der Acker-Schachtelhalm, Equisetum arvense, auch Zinnkraut genannt, der ebenfalls in Europa weit verbreitet ist, wächst, wie der Name vermuten lässt, an Äckern, Wiesenrändern und Böschungen. Im Unterschied zum Winter-Schachtelhalm weisen die Triebe quirlig verzweigte Äste auf. Verwechselt kann er an feuchten Standorten mit dem giftigen Sumpf-Schachtelhalm, Equisetum palustre, werden.
Ein Kaltwasserauszug des Acker-Schachtelhalmes wird im Garten gerne vorbeugend gegen Blattläuse und als Stärkungsmittel für Pflanzen, aufgrund seines hohen Kieselsäuregehaltes, eingesetzt.
Medizinisch erfolgt die Anwendung von Acker-Schachtelhalm zumeist als Tee bei entzündlichen Erkrankungen des Harntraktes und zur Blutreinigung. Er weist ebenfalls eine blutstillende Wirkung auf.
Equisetum hymenale in der Homöopathie
Leitsymptome
Bekannt ist die starke Affinität zu den Harnorganen und die stechenden Schmerzen. Leitsymptome sind der anhaltende Harndrang und die Entleerung großer Mengen eines hellen, klaren Urins mit nächtlichem Harndrang.
Kopf
Gereiztheit und rasche Müdigkeit können auftreten. Der Schlaf ist durch ermüdende Träume gestört. Träumt von großen Menschenmengen. Das Gesicht ist gerötet, mit Neigung zum Stirnrunzeln. Heftige, stechende Kopfschmerzen im oberen Bereich der Augen beziehungsweise der Augenhöhle und ein Einschnürungsgefühl über der Stirn können bestehen.
Hals und Brust
Stechende Schmerzen im Hals. In der Herzgegend können stechende Schmerzen auftreten, die sich beim Einatmen verschlechtern.
Bewegungsapparat
Schmerzen treten in den großen Gelenken auf, vor allem in der Schulter, aber auch in Hüfte und Knie. Die geringste Bewegung, Berührung oder Anstrengung verschlechtert die Beschwerden. Rückenschmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule und des Kreuzbeins treten vor allem im Sitzen auf und können bis in die Hüfte ziehen. Die Beschwerden bessern sich hier durch Gehen oder Liegen.
Verdauungstrakt
Es besteht übermäßiger Hunger. Der Bauch ist aufgetrieben mit dumpfen Schmerzen und Abgang von stinkenden Blähungen. Stechende, beißende Schmerzen im Anus während und nach dem Stuhlgang können auftreten, oft von starken Blähungen begleitet. Nach dem Stuhlgang besteht das Gefühl, dass der Kot noch nicht vollständig entleert wurde.
Urogenitaltrakt
Hier liegt die Hauptwirkung von Equisetum hymenale: Die Nieren sind schwach und empfindlich. Der Schmerz wandert von der rechten in die linke Niere, zieht abwärts und ist von starkem Harndrang begleitet. Typisch ist die häufige und reichliche Entleerung eines klaren, wässrigen Urins. Vor allem nachts ist der Harndrang besonders ausgeprägt.
Beim Urinieren zeigen sich stechende, brennende und schneidende Schmerzen. Das Völlegefühl der Blase wird aber durch den Harnabsatz nicht gebessert. Es kann zu unwillkürlichem Harnabgang kommen, der bei alten Frauen auch von Stuhlinkontinenz begleitet sein kann.
Darüber hinaus ist Equisetum hymenale als wertvolle Arznei für das Bettnässen bei Kindern bekannt.
Modalitäten
Die Beschwerden sind schlechter durch Bewegung, Berührung, Druck, Hinsetzen sowie am Ende des Urinierens. Es besteht ein Bezug zur rechten Körperseite.
Besserung tritt nachmittags, durch Liegen sowie durch fortgesetzte Bewegung ein.
Bewährte homöopathische Indikationen bei Harnwegsinfekten
Atropa belladonna, Belladonna, Tollkirsche
Als wichtige Arznei bei akuten Entzündungen mit Hitze, Röte und Brennen spielt Belladonna auch eine wichtige Rolle bei Blasenentzündungen. Typisch ist ein plötzlicher, heftiger Beginn von brennenden, stechenden Blasenschmerzen und sehr empfindlicher Blasenregion. Es kommt zu Schweißausbruch und eventuell auch zu hohem Fieber. Bei Bewegung schießen die Schmerzen ein.
Kennzeichnend für Belladonna sind auch die Röte des Kopfes, pulsierende, klopfende Kopfschmerzen und große Pupillen. Ursächlich sind meist starke Abkühlung, wie Baden in kaltem Wasser an einem heißen Sommertag, oder auch Sonnenhitze. Lärm, Licht und Erschütterung verschlechtern die Beschwerden. Besserung tritt durch Bettwärme und Ruhe ein.
Berberis vulgaris, Berberitze
Typisch für Berberis ist ein akuter Harnwegsinfekt mit ständigem Harndrang und dem Gefühl, dass die Blase nicht entleert ist. Die brennenden Schmerzen bestehen vor, während und nach dem Urinieren. Die Schmerzen beim Urinieren strahlen von einem Punkt aus, sind in der Lendenregion zu spüren und ziehen bis in die Oberschenkel.
Der Harn ist dunkelgelb, trüb, zum Teil auch schleimig und kann gelbliches bis rötliches Sediment enthalten. Die Beschwerden sind nach dem Urinieren und im Freien etwas besser, verschlechtern sich durch Erschütterung, Bewegung und vor allem im Stehen.
Causticum, Ätzstoff Hahnemanns
Auslöser für Blasenbeschwerden sind oft Entbindung, Katheterisierung oder Operationen, die zu Blasenschwäche mit Inkontinenz bis hin zur Blasenlähmung führen können. Es bestehen brennende Schmerzen beim Wasserlassen.
Wenn bei bestehendem Harndrang nicht gleich uriniert wird, kann es zu Harnverhalten kommen. Der Harn fließt nur noch in schwachem Strahl, tröpfelnd oder gar nicht mehr. Beim Husten oder Lachen kann es zu unwillkürlichem Harnabgang kommen. Das Urinieren fällt im Sitzen leichter.
Auffallend ist, dass sich die Beschwerden durch kalte Getränke und nasses Wetter bessern, bei trockenem, klarem Wetter hingegen verschlechtern.
Delphinium staphisagria, Staphisagria, Rittersporn
Bekannt ist Staphisagria für die sogenannte „Honeymoon-Zystitis“, eine Blasenentzündung nach zu viel Geschlechtsverkehr, sowie für Harnwegsinfekte nach Katheterisierung.
Auch in der Schwangerschaft und nach Entbindung können Blasenentzündungen häufiger eine Indikation für Staphisagria sein. Die brennenden Schmerzen sind vor und nach dem Urinieren schlechter, bessern sich etwas während des Wasserlassens.
Bei häufigem Harndrang, der Reizblase, werden immer nur kleine Mengen abgesetzt, sodass ein Restharngefühl in der Blase besteht. Wärme bessert, während Gemütsbewegungen wie Ärger oder Kränkung, aber auch Berührung und Kälte die Beschwerden verschlechtern können.
Equisetum hymenale, Winter-Schachtelhalm
Wie im Arzneimittelbild beschrieben, zeigt sich eine starke Affinität zu den Harnorganen. Kennzeichnend sind der anhaltende Harndrang und der Absatz großer Mengen eines klaren, hellen Urins.
Der Patient muss nachts mehrmals aufstehen, um zu urinieren. Die stechenden, brennenden Schmerzen treten vor allem am Ende der Entleerung auf. Das Völlegefühl der Blase wird durch das Urinieren nicht gebessert.
Lytta vesicatoria, Cantharis, Spanische Fliege
Cantharis ist die bekannte Arznei bei Harnwegsinfekten mit heftigen, brennenden, schneidenden Schmerzen vor, während und nach dem Urinieren. Der Patient krümmt sich und schreit vor Schmerzen.
Der spärliche Urin geht trotz ständigem Drang nur tropfenweise ab. Der Drang entsteht schon bei kleinsten Mengen Harn in der Blase. Der Urin ist oft eiweißhaltig, trüb, auch blutig und kann sandiges Sediment oder Schleimhautfetzen enthalten.
Die Schmerzen verschlechtern sich im Stehen und im Gehen, durch Kaffee sowie durch Trinken von kaltem Wasser, obwohl großer Durst besteht. Sitzen, Wärme sowie Reiben oder Drücken der Hände auf den Unterleib bessern die Beschwerden.
Eine ausführliche Beschreibung der Arznei finden Sie im Bulletin 02/2024.
Pareira brava, Grießwurz
Pareira brava ist eine „kleine Arznei“, die nur wenig geprüft wurde, in der Homöopathie mit starkem Bezug zum Urogenitaltrakt und kann bei Blasenkatarrh mit Harnverhalten angezeigt sein. Die heftigen Schmerzen ziehen beim Versuch zu urinieren bis in die Oberschenkel.
Leitsymptom ist, dass der Harn nur auf allen Vieren abgesetzt werden kann, wobei der Kopf auch auf den Boden gedrückt wird.
Als Arznei, die auch bei Prostatabeschwerden und bei Nierenkolik eingesetzt werden kann, ist sie aufgrund der Ernsthaftigkeit der Symptome keine Arznei für die Selbstmedikation. Der Urin hat einen starken Geruch nach Ammoniak, enthält viel dicken, zähen Schleim und kann tiefrot sein.
Pulsatilla pratensis, Kuhschelle
Die krampfartigen Schmerzen kommen und gehen bei Pulsatilla langsam, anders als zum Beispiel bei Belladonna, und können bis in die Oberschenkel oder den Rücken ausstrahlen.
Auffallend ist ein Gefühl, als ob ein Ball in der Blase rollt. Vor und nach dem Wasserlassen zeigen sich brennende, schneidende Schmerzen. Es besteht eine Reizblase, wobei der Harndrang einsetzt, sobald man auf dem Rücken liegt.
Auslöser können neben kalten Füßen eine bestehende Schwangerschaft oder die Entbindung sein. Auch große Aufregung und Freude können die Entstehung einer Blasenentzündung begünstigen.
Kalte Anwendungen, frische Luft und leichte Bewegung bessern die Beschwerden. Abends und in stickigen, warmen Räumen werden die Symptome schlechter.
Smilax officinalis, Sarsaparilla, Sarsaparillwurzel
Smilax kann bei akuten wie chronischen Blasenentzündungen angezeigt sein. Auslösend sind oft Feuchtigkeit und Kälte. Der Schmerz an der Harnröhrenmündung zieht sich bis in den Bauchraum.
Urinieren ist nur im Stehen im schwachen Strahl möglich, im Sitzen tröpfelt der Harn. Auffallend ist ein krustiges Harnsediment. Der Urin ist schleimig, flockig und blutig.
Kennzeichnend ist ein heftiger Schmerz am Ende des Urinierens. Die Beschwerden sind bei Nässe, Kälte, nachts und durch Druck der Kleidung schlechter. Besserung tritt durch Wärme ein.
Sepia officinalis, Tintenfisch
Die Auslöser können emotionale Probleme, Kälte und Entbindung sein. Sepia hat ähnlich wie Pulsatilla ein Ballgefühl in der Blase mit brennenden, schneidenden Schmerzen, die aber anders als bei Pulsatilla während des Wasserlassens auftreten.
Die Schmerzen drängen nach unten bis in die Oberschenkel, bei Pulsatilla auch hinauf, und sind von Frösteln am ganzen Körper mit heißem Kopf begleitet. Auffallend ist ein Juckreiz in der Blase.
Der Urin ist schleimig, ölig, kann Flocken sowie grünliches oder rötliches Sediment, Eiter und Blutbeimengungen enthalten und weist einen fauligen Geruch auf.
Sepia ist auch eine Arznei bei chronischer Zystitis. Hier unbedingt zum Arzt. Die Beschwerden sind schlechter im Liegen, nach Geschlechtsverkehr und durch kalte Luft. Sie bessern sich durch kräftige Bewegung wie Laufen oder Tanzen.
Solanum dulcamara, Dulcamara, Bittersüßer Nachtschatten
Typischer Auslöser für Blasenentzündungen bei Dulcamara sind Nässe und Kälte in jeder Form, wie das Sitzen auf kaltem Stein, das Anbehalten nasser Badebekleidung, kalte, nasse Füße, aber auch der Wetterwechsel von warm nach kalt und feucht.
Es besteht ständiger, aber erfolgloser Harndrang. Der Harn fließt nur tröpfchenweise. Der Urin ist trüb, schleimig, übelriechend und kann Blutklumpen enthalten.
Die Schmerzen sind schlimmer während und nach dem Wasserlassen sowie nachts und bei Kälte. Sie bessern sich durch Wärme und warme Anwendungen.
Strychnos nux vomica, Nux vomica, Brechnuss
„Wenn ich nur könnte“ ist kennzeichnend für Nux-vomica-Beschwerden. Auch bei Nux vomica ist Kälte, wie Sitzen auf kaltem Boden oder kalter Wind, ursächlich für eine Blasenentzündung.
Weitere Auslöser von Blasenkrämpfen können als „Folge von zu viel“ auch der übermäßige Genuss von Stimulanzien wie Kaffee, Alkohol und Nikotin, aber auch übermäßige sexuelle Aktivitäten sein. Bei Frauen kann auch die Unterdrückung der Monatsblutung ein Grund für die Beschwerden sein.
Bei krampfartigen Schmerzen und juckendem Brennen im Blasenhals besteht Harndrang, der aber meist erfolglos ist. Oft kommen nur wenige Tröpfchen.
Anders als bei Dulcamara werden die Beschwerden schon nach Abgang kleiner Mengen Urin besser. Auch Ruhe, heiße Getränke und feuchte Luft bessern. Die Symptome sind schlechter frühmorgens, nach Ausschweifungen sowie durch Druck der Kleidung.
Uva ursi, Bärentraube
Die Arzneiwirkung von Uva ursi auf die Blase ist vor allem in der Phytotherapie bekannt und fand aufgrund der entzündungshemmenden und antibakteriellen Wirkung so auch den Einzug in die aktuellen S3-Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Urologie.
In der Homöopathie zählt sie wie Pareira brava zu den sogenannten „kleinen Arzneien“, die erst wenig geprüft wurden. Angewendet, unterstützend und bei solchen Symptomen bitte zum Arzt, wird sie daher meist organbezogen in tiefen Potenzen, D1 bis D4.
Eingesetzt werden kann Uva ursi bei Blasenentzündungen mit schleimigem, blutigem, teils grünlichem Urin, ständigem Pressen und brennenden Schmerzen nach dem Wasserlassen.
Autorin: Mag. Barbara Steinbrecher