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Im Gespräch: Dr. med. Erfried Pichler über die „Faszination Homöopathie” und seine Zukunftsvisionen

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Bereits seit 1993 ist Dr. med. Erfried Pichler Teil des Teams der Österreichischen Gesellschaft für homöopathische Medizin. Von 2012 bis 2018 war er sogar Präsident der ÖGHM und bis 2022 verstärkte er den Vorstand der ÖGHM.
Wie er zur Homöopathie gekommen ist, was ihn daran fasziniert und welche Zukunftsvisionen er für die Profession hat, erzählt er uns in einem ganz persönlichen Interview.

Wie haben Sie persönlich zur Homöopathie gefunden?

Erfried Pichler: „Vor mittlerweile 40 Jahren bin ich durch einen älteren Studienfreund darauf gestoßen. Meine Ausbildung habe ich dann bei Prof. Dr. Mathias Dorcsi in Baden begonnen.

Von Beginn an war ich fasziniert durch die erfolgreiche Behandlung einer bereits jahrelang bestehenden Fußsohlenwarze bei einer Bekannten. Daraufhin folgte die Integrierung der homöopathischen Medizin in die damalige Kassenpraxis. 1993 wurde ich Mitglied des Lehrerteams der ÖGHM und sieben Jahre später in den Vorstand berufen. 2012 wurde ich zum Präsident der Gesellschaft gewählt, diese Tätigkeit führte ich dann auch bis in das Jahr 2018 aus.”

Was sind Ihre Ziele, Visionen, Missionen?

Erfried Pichler: „Das große Ziel war die Integrierung der Homöopathie in das österreichische Gesundheitssystem – eben nach Schweizer Vorbild. Trotz aller Anstrengungen ist dies bis dato aber nicht gelungen. Erreichen konnten wir aber eine gute Zusammenarbeit der österreichischen homöopathischen Gesellschaften, ebenfalls auch mit den schweizerischen und deutschen Gesellschaften.

Unser Augenmerk liegt nun vor allem auf der Aktivierung der Österreicher:innen, die eine gute Beziehung zur Homöopathie haben. Laut verschiedensten Meinungsumfragen sind das über 60 %. Darüber hinaus plädieren über 80 % der Bevölkerung für eine Integrative Medizin, also die Zusammenarbeit von konventioneller und komplementärer Medizin. Wir sind aber die ,leiseste’ Mehrheit – und das muß sich ändern. Diese Veränderungen werden nur möglich sein, wenn die Bevölkerung dies auch lautstark verlangt. Nur dann werden Politiker und andere Entscheidungsträger sich unserer guten Sache annehmen. Die Initiative: Homöopathie hilft! ist hierfür eine gute und wichtige Basis.”

Dr. med. Erfried Pichler über die „Faszination Homöopathie” und seine Zukunftsvisionen
Dr. med. Erfried Pichler über die „Faszination Homöopathie” und seine Zukunftsvisionen © beigestellt

Was war Ihr emotionalstes Patientenerlebnis? Inwiefern hat Homöopathie bei diesem eine Rolle gespielt?

Erfried Pichler: „Vor knapp 20 Jahren war ein damals achtjähriger Junge aufgrund eines Augentumors in der Kinderonkologie in Klagenfurt sowie in Graz in Behandlung. Die schulmedizinische Behandlung wurde zwar erfolgreich abgeschlossen, der Junge wies danach allerdings eine hochgradige Sehschwäche auf. Nach wenigen Wochen in ausschließlich homöopathischer Therapie war es ihm möglich, bereits die Straßenschilder auf dem Weg ins Krankenhaus zu lesen. In weiterer Folge war er sogar wieder dazu fähig, Zeitungen zu lesen und am Unterricht in der Schule normal teilzunehmen.”

Woran erkennt man Ihrer Erfahrung nach einen guten Homöopathen?

Erfried Pichler: „Nach dem Medizinstudium absolviert der/die homöopathische Arzt/Ärztin eine dreijährige Ausbildung, welche mit einer Prüfung abgeschlossen wird. Danach erfolgt die Verleihung des Homöopathie-Diploms der Österreichischen Ärztekammer. Wie in allen Berufen spielt natürlich auch die Erfahrung eine große Rolle, um den Patienten zielführend helfen zu können.”

Wo kann man gut ausgebildete Homöopathen ausfindig machen?

Erfried Pichler: „Diese können auf der Website der Österreichischen Gesellschaft für homöopathische Medizin gefunden werden. Auch durch die Arztsuch-Funktionen der „Initiative: Homöopathie hilft“, der Österreichischen Ärztekammer und der ÄKH sowie – für Veterinärmediziner – ÖGHV findet man ausgebildete Homöopathen.”

Inwiefern hat sich die Homöopathie seit Samuel Hahnemann entwickelt und wie wird sie sich Ihrer Ansicht nach weiterentwickeln?

Erfried Pichler: „Samuel Hahnemann hat am Ende seiner Schaffensperiode Patienten mit ca. 130 Arzneien behandelt. Heute kennen wir mehrere tausend Arzneien, wobei 700 bis 1.000 häufiger verwendet werden. Die breite und komplementäre Anwendung der homöopathischen Medizin sollte auch hier in Österreich zur Integrierung ins Gesundheitssystem und damit zur gleichberechtigten Therapieform neben der Schulmedizin führen, wie es auch in der Schweiz bereits der Fall ist.”

Warum werden die Ergebnisse der homöopathischen Grundlagenforschung in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen?

Erfried Pichler: „Der Großteil an hilfesuchenden, kranken Menschen interessiert sich kaum für die Theorie. Diese sind vorwiegend auf der Suche nach Linderung bzw. Heilung von ihren Krankheiten. Daher ist die Praxis weit mehr in den Vordergrund gerückt als die Forschung. Auch bei der konventionellen Medizin wird so vorgegangen. Leider sind uns die Medien zurzeit nicht sehr gewogen. Es werden daher kaum unsere großartigen Forschungsergebnisse medienwirksam veröffentlicht. Doch mein größtes Anliegen ist die offizielle Anerkennung der Homöopathie in Österreich.”

Wo besteht bei der Homöopathie weiterer Forschungsbedarf und welche Projekte sind von Ihrer Seite für die Zukunft geplant?

Erfried Pichler: „Meiner Ansicht nach gibt es bereits genügend Forschungen, dank denen positive Ergebnisse bezüglich der Wirksamkeit von Homöopathie nachgewiesen werden konnten. Wichtig ist hier vor allem, diese der Öffentlichkeit bekannt zu machen und zu verankern.”

Was wäre Ihr größter Wunsch für die Profession Homöopathie?

Erfried Pichler: „Mein größtes Anliegen ist die offizielle Anerkennung der Homöopathie in Österreich. So, wie es sie bereits in der Schweiz, in Belgien, in Indien usw. gibt. Dazu müssen alle, Patient:innen und Ärzt:innen, sich zusammenschließen und vehement dafür eintreten. Mit Initiative: Homöopathie hilft! ist eine ausgezeichnete Informationsquelle vorhanden, die uns auf diesem Weg sicher bestens unterstützen kann.”

Welchen Rat würden Sie heute jemandem mit auf den Weg geben, der sich dazu entschließt, Homöopath zu werden?

Erfried Pichler: „Wichtig hierbei ist es vor allem, so früh wie möglich mit der Ausbildung zu beginnen und die Homöopathie von Beginn an in den Therapiealltag zu integrieren. In der Praxis sind die Patienten die besten Lehrer. Ich bin dankbar dafür, dass viele verblüffende Behandlungserfolge durch die homöopathische Medizin erzielt werden.”

Wir bedanken uns für das Gespräch!

Erfried Pichler: „Heute kennen wir mehrere tausend Arzneien, wobei 700 bis 1.000 häufiger verwendet werden. Die breite und komplementäre Anwendung der homöopathischen Medizin wird auch hier in Österreich zur Integrierung ins Gesundheitssystem und damit zur gleichberechtigten Therapieform neben der Schulmedizin führen, wie es auch in der Schweiz bereits der Fall ist.” © AdobeStock_304948938
Samuel Hahnemann hat am Ende seiner Schaffensperiode Patienten mit ca. 130 Arzneien behandelt. Heute kennen wir mehrere tausend Arzneien, wobei 700 bis 1.000 häufiger verwendet werden. © AdobeStock_304948938
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