Richtige Einnahme, Wahl der Potenz und Arzneiform- darauf ist zu achten
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In der Homöopathie kommt eine Vielzahl an Arzneien in Frage; aktuell sind ca. 7000 Arzneien bekannt (nicht alle davon klassisch geprüft und registriert, viele davon werden nur magistral hergestellt- mehr dazu hier). Hat man nun den schwierigsten Teil – die Wahl der richtigen Arznei – geschafft, lautet eine der häufigsten Fragen bei der Anwendung homöopathischer Arzneien: Welche Potenz ist geeignet und wie häufig soll die Arznei eingenommen werden?
In der Literatur, aber auch in zahlreichen Foren kursieren mittlerweile unterschiedlichste Ansätze und Meinungen, die oft auf den Erfahrungen der jeweiligen Personen beruhen. Die nachfolgenden Informationen dienen der Orientierung für die Selbstbehandlung – erfahren Sie mehr darüber, welche Potenzen wann empfehlenswert sind, wie häufig eine Einnahme empfohlen wird und worauf noch zu achten ist.
Den Einnahme- und Dosierungsempfehlungen bei Verordnung durch die/den behandelnden Ärztin/Arzt sollte unbedingt Folge geleistet werden!

Verschiedene Darreichungsformen homöopathischer Arzneimittel
© Initiative Homöopathie hilft
Arzneiformen
Die Arzneiform für die klassische orale Einnahme (Wirkstoff wird über die Mundschleimhaut aufgenommen) ist im wahrsten Sinne des Wortes meistens Geschmacksache:
Die bekannteste und häufigste Darreichungsform homöopathischer Arzneien mit einem einzelnen Wirkstoff (sog. Einzelmittel) stellen die Globuli (Streukügelchen) dar. Sie bestehen aus Saccharose (Rohrzucker) und sind aufgrund des angenehmen süßen Geschmacks nicht nur bei Kindern und Haustieren eine gute Wahl. Einige Hersteller bieten auch Globuli aus Xylit (Birkenzucker) an – Xylit bitte jedoch nie Tieren verabreichen, da dieser für Hunde, Kaninchen, Frettchen und Ziegen hochgiftig ist.
Ebenfalls weit verbreitet sind Dilutionen (Tropfen auf Basis eines Wasser-Alkoholgemisches), die aufgrund ihres Alkoholgehaltes geschmacklich für Kinder und Tiere nicht so geeignet sind. Auch als Tabletten sind Homöopathika oft erhältlich, als Trägerstoff wird hier üblicherweise Laktose verwendet, als Hilfsstoffe kommen Weizen- oder Kartoffelstärke sowie Magnesiumstearat zum Einsatz. Patienten mit Laktoseintoleranz sollten daher auf Globuli oder Dilutionen zurückgreifen.
Diabetiker können aufgrund des geringen Kohlenhydratgehaltes Globuli und Tabletten einnehmen (1 Tablette entspricht ca. 0,021 BE, 1 Globulus entspricht 0,00069 BE)
Augen-, Nasentropfen, Ampullen zu Injektionszwecken, Salben, Gele, Cremes für die äußerliche Anwendung sowie Suppositorien (Zäpfchen für vaginale oder rektale Eingabe) sind eher bei Komplexmitteln üblich.
Einnahme von homöopathischen Arzneien
Unter einer Gabe werden heute gemäß der Dosierungsempfehlung der Kommission D des Bundesinstitutes für Arzneimittel und Medizinprodukte für Erwachsene 1 Tablette, 5 Globuli oder 5 Tropfen verstanden. Bei Babys und Kleinkindern werden meist kleinere Gaben verabreicht. Hahnemann selbst sprach bei der Dosierung allgemein für die kleinste mögliche Gabe, die damals 1 Globulus entsprach, aus. Einige Homöopathen folgen auch heute den Angaben Hahnemanns und verordnen die Einnahme eines Globulus. Die genaue Menge (also ob z.B. 1 Globulus oder 5 Globuli verabreicht werden) ist dabei weniger entscheidend als die Häufigkeit der Einnahme, die sich vor allem nach der gewählten Potenz, aber auch nach der Art der Erkrankung und der Reaktionsfähigkeit des Patienten richtet.
Empfohlene Einnahme
Tropfen werden direkt in den Mund eingegeben, Tabletten und Globuli lässt man unter der Zunge zergehen; der Wirkstoff wird so über die Mundschleimhaut aufgenommen. Die meisten Hersteller statten die Fläschchen der Globuli übrigens automatisch mit einem Dosieraufsatz aus, der dabei hilft, nur die gewünschte Anzahl an Globuli zu entnehmen.
Neben dieser „trockenen“ Form der Einnahme gibt es auch die Möglichkeit, Tabletten, Globuli oder Tropfen in Wasser aufzulösen und schluckweise zu trinken.
* Bei der sogenannten „Wasserglasmethode“ wird 1 Gabe der Arznei in ca. 1/8 Liter Wasser aufgelöst, davon entweder ein Teelöffel oder ein Schluck eingenommen. Diese Variante wird gerne bei akuten Erkrankungen, aber auch bei Patienten verwendet, die sensibel auf Arzneien reagieren.
* Bei der Behandlung von Säuglingen ist es oft üblich, der stillenden Mutter die Arznei zu verabreichen, die vom Säugling dann über die Muttermilch aufgenommen wird. Alternativ dazu können einige Tropfen der (aufgelösten) Arznei dem Baby z.B. mit einer Pipette direkt in den Mund oder auf die Brustwarze der Mutter oder den Sauger des Fläschchens aufgetropft werden.
Welche Potenz ist die Richtige?
Homöopathische Arzneimittel sind als D-,C-, LM- oder Q- Potenzen erhältlich. Im deutschsprachigen Raum sind bei tiefen Potenzen die D- Potenzen vorherrschend, während im Hochpotenzbereich (ab 30 und höher) eher C- Potenzen üblich sind. LM- oder Q- Potenzen werden zumeist nur von Ärzt:innen unter bestimmten Voraussetzungen verordnet, während C- und vor allem D- Potenzen auch bei der Selbstmedikation zum Einsatz kommen. Der Buchstabe bezeichnet hier das Verdünnungsverhältnis, die hinan gestellte Zahl gibt Auskunft, wie oft der Potenzierungsvorgang durch geführt wurde. Mehr über die Art der Potenzen und deren Herstellung erfahren sie hier.
Bei der Selbstmedikation für Laien werden bei akuten Beschwerden niedrigere Potenzen empfohlen, zu diesen zählen D2, D3, D4, D6, und D12 sowie C1, C2, C3, C4, C 6 und C12; in manchen Fällen kann auch eine D30 oder C30 in Frage kommen. Hohe Potenzen wie C200 oder höher sollten nur nach ärztlicher Verordnung angewendet werden.
Chronische Beschwerden eignen sich nicht für die Selbstmedikation, sondern müssen ärztlich behandelt werden. Homöopathisch gut ausgebildete Ärzt:innen in Ihrer Nähe (Österreich) finden Sie bei unserer Arztsuche.

Homöopathische Taschenapotheke ©Initiative „Homöopathie hilft!“
Wie oft soll die Arznei eingenommen werden?
Grundsätzlich gilt, unabhängig von der Potenzhöhe:
Einmal einnehmen, dann abwarten und erst wiederholen, wenn die Wirkung der Arznei nachlässt; bei anhaltender Besserung nicht erneut einnehmen.
Wie schnell eine erneute Gabe erforderlich sein kann, richtet sich einerseits nach der gewählten Potenz, andererseits auch nach der Art der Erkrankung sowie der gesundheitliche Zustand des Patienten. Die homöopathische Arznei regt die Selbstheilungskräfte des Körpers an, bei akuten Zuständen ist die Arzneiwirkung daher meist schneller verbraucht und eine raschere Wiederholung ist erforderlich. Die Reaktionslage des Patienten bestimmt auch dabei auch das Tempo: Bei ansonst gesunden, kräftigen Patienten reagiert der Körper schneller, eine erneute Arzneigabe kann bald erforderlich sein; bei Babys, Kleinkindern und bei geschwächten Patienten sollte entsprechend seltener wiederholt werden.
Dabei gilt: je höher die Potenz, desto länger die Wirkdauer und desto seltener wiederholen!
Daher sollten Hochpotenzen auch nur von erfahrenen Fachpersonen verordnet werden.
Aufgrund von langjährigen Erfahrungswerten gibt es Richtwerte, wie oft eine Arznei der jeweiligen Potenz wiederholt werden soll. Auf die individuelle Reaktionslage des Patienten sollte dabei trotzdem Rücksicht genommen und die Dosierung entsprechend angepasst werden.
Dosierungsempfehlung der Kommission D
für Urtinkturen und niedrige Potenzen (Urtinktur bis einschließlich D23/C11), soweit nicht anders verordnet:
- Bei akuten Zuständen alle halbe bis ganze Stunde, höchstens 6-mal täglich, 5 Tropfen oder 1 Tablette oder 5 Streukügelchen einnehmen.
- Bei Besserung der Beschwerden ist die Häufigkeit der Anwendung zu reduzieren.
- Anwendungen über eine Woche hinausgehend nur nach Rücksprache mit einer/m homöopathisch erfahrene(n) Ärztin/Arzt.
für höhere Potenzen (ab D24/ C12) sollte nur eine Einzelgabe von 5 Globuli, 5 Tropfen oder 1 Tablette eingenommen werden, eine individuelle Dosierung darüber hinaus erfolgt durch eine(n) homöopathisch erfahrener/n Ärztin/Arzt.
Wie rasch kann der Wirkeintritt erwartet werden?
Oft hört und liest man, dass homöopathische Arzneien lange benötigen, bis eine Wirkung eintritt. Das ist nur bedingt richtig.
Bei akuten Beschwerden, die meist erst kurz davor begonnen haben, z.B. einem Insektenstich, kann bei Einnahme der richtig gewählten Arznei eine Besserung der Symptome bereits nach einigen Minuten eintreten. Auch bei akuten Infekten oder Verletzungen ist mit einer raschen Besserung innerhalb von Minuten oder weniger Stunden zu rechnen.
Bei chronischen Erkrankungen kann es tatsächlich länger dauern, bis eine Linderung zu erwarten ist, da die Krankheit sich ja über einen längeren Zeitraum hinweg (oft Monate oder Jahre) im Körper manifestiert hat; oft liegen auch mehrere Erkrankungen zur gleichen Zeit vor.
Entsprechend länger benötigt der Körper zur Selbstheilung mit Hilfe der korrekt gewählten Arznei. Aufgrund der oft vielschichtigen und komplexen Symptome kann es sein, dass z.B. die Potenzen gesteigert oder in Folge auch weitere, andere Arzneien notwendig sind, um die Symptome nach und nach zu lösen. Dies kann, je nach Art und Schwere der chronischen Erkrankung auch Wochen bis Monate (manchmal auch Jahre) in Anspruch nehmen.
Erwünschte und unerwünschte Reaktionen auf die Arznei
Neben der gewünschten, raschen Besserung der Symptome kann es auch weitere erwünschte, aber auch unerwünschte Reaktionen auf eine Arznei geben.
Erstreaktion/ Erstverschlimmerung
Darunter versteht man eine kurzfristige Verstärkung der bereits vorhandenen Symptome als Reaktion auf eine Arznei zu Beginn der Behandlung bei gutem (oder besserem) Allgemeinbefinden mit anschließender, rascher Besserung der Beschwerden. In dem Fall sollte die Einnahme der Arznei nicht wiederholt, sondern abgewartet werden.
Eine solche Verschlimmerung kann, muss aber nicht auftreten und ist eine Reaktion auf eine gut gewählte Arznei. Dies gilt daher nicht als Nebenwirkung.
Eine Erstreaktion tritt eher bei höheren Potenzen (ab D/C 30) auf, weshalb Hochpotenzen nicht für die Selbstmedikation empfohlen werden.
Verschlechterung der Beschwerden
Eine Erstreaktion muss von einer Fortschreiten der Erkrankung unterschieden werden. In diesem Fall ist die Arznei nicht korrekt gewählt oder es liegt eine Erkrankung vor, die nicht für die homöopathische Behandlung geeignet ist. Sollten sich die Beschwerden während der Einnahme verschlechtern, ist die Arznei abzusetzen und ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Ausbleiben der Wirkung
Sollte die erwünschte Wirkung ausbleiben, liegt das meist an einer schlecht gewählten Arznei. Allerdings könnte auch eine falsche Lagerung (z.B. starke Hitze, aber auch die Aufbewahrung in der Nähe starker elektromagnetischer Strahlung wie von Handys oder Computern) die Wirkung der Arznei beeinträchtigt haben – mehr dazu hier. Auch andere Gründe für ein Heilhindernis können vorliegen (z.B., wenn man der Ursache der Symptome weiterhin ausgesetzt ist) . Bei anhaltenden Symptomen sollte ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden; von mehrfachen Therapieversuchen mit verschiedenen Arzneien ist bei der Selbstbehandlung dringend abzuraten.
Neue Symptome
treten während der Behandlung neue Symptome auf, die nicht zum Arzneimittelbild passen, ist wahrscheinlich die Arznei nicht passend gewählt. Dies ist zu unterscheiden von einer ungewollten Arzneimittelprüfung, bei der die Symptome zur gewählten Arznei passen. Der Wechsel auf eine andere Arznei, die die bestehenden, wie auch die neuen Symptome abdeckt, ist empfohlen.
Im Zweifelsfall ärztlichen Rat einholen.
Alte Symptome früherer Erkrankungen
Alte Symptome können im Rahmen der Behandlung chronischer Erkrankungen wieder auftreten; d.h. frühere Symptome aus der Krankengeschichte des Patienten flackern nochmals kurz auf und sind ein Zeichen gesunder Heilreaktion des Körpers. Typischerweise erscheinen sie in umgekehrter Reihenfolge ihres ursprünglichen Erscheinens; so kann z.B. im Rahmen einer gut verlaufenden Asthmabehandlung eines Erwachsenen ein Hautausschlag wieder auftauchen, der in der Kindheit präsent war (z.B. Neurodermitis).
Überdosierung
Auch homöopathische Arzneien können überdosiert werden, wobei hier nicht die Menge an auf einmal eingenommenen Globuli auschlaggebend ist, sondern eine zu häufige Wiederholung in kurzer Zeit. Sollten versehentlich zu viele Globuli zur selben Zeit eingenommen werden, ist keine unerwünschte Reaktion zu erwarten (daher zeigen die immer wieder stattfindenden Experimente der Skeptiker, die den gesamten Inhalt eines Fläschchen mit Globuli auf einmal einnehmen, auch keinen Effekt!)
Eine zu häufig gegebene Arznei (vor allem bei höheren Potenzen) kann zu einer ungewünschten Arzneireaktion, zu sogenannten unerwünschten Arzneimittelprüfsymptomen führen. Hierbei können sich neue Symptome zeigen, die der Patient zuvor noch nicht hatte, aber zum Arzneimittelbild der gewählten Arznei passen. In diesem Fall soll die Einnahme gestoppt werden.
Eine Besserung der neuen Symptome erfolgt meist rasch nach Beendigung der Einnahme; im Zweifelsfall eine(n) homöopathischen Ärztin/Arzt zu Rate ziehen.
