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Neue Studie zur Wirksamkeit von Homöopathie bei Reizdarmsyndrom

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Homöopathie wirkt über den Placebo-Effekt hinaus – das belegen zahlreiche hochwertige wissenschaftliche Studien. In unserer Reihe Studien-Monitor stellen wir Forschungsbeispiele vor, die die Wirksamkeit der Homöopathie jenseits des Placebo-Effekts belegen.

Nun gibt es eine weitere interessante Studie aus dem Jahr 2023, die die Wirksamkeit individualisierter homöopathischer Behandlung bei Reizdarmsyndrom beschreibt.

Studie „Homöopathie und Reizdarmsyndrom” – Thema und Hauptautor 

„Wirksamkeit individualisierter homöopathischer Arzneimittel bei Reizdarmsyndrom” von Aakash Deep Das, Assistenzprofessor, Department of Repertory, JIMS Homeopathic Medical College & Hospital, Shamshabad, Telangana, Indien

Worum geht es in der Studie und was ist der Mehrwert der homöopathischen Behandlung?

Das Reizdarmsyndrom (RDS) ist eine der häufigsten Magen-Darm-Erkrankungen mit einer geschätzten weltweiten Prävalenz von 10-20 %[1]. Die klinischen Symptome reichen von chronischen Unterleibsschmerzen bis hin zu verändertem Darmverhalten, ohne dass eine physische oder strukturelle Erkrankung des Darms nachweisbar ist. Ein schweres Reizdarmsyndrom kann die Lebensqualität und den Alltag der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Und es verursacht überhöhte Kosten im Gesundheitssystem: zum einen durch höhere medizinische Ausgaben (z. B. für diagnostische und therapeutische Verfahren) und zum anderen durch zusätzliche nichtmedizinische Kosten (z. B. für Transporte, familiäre Betreuung oder besondere diätische Anforderungen). Zwar gibt es zahlreiche konventionelle Behandlungsmöglichkeiten für RDS. Diese sind jedoch für viele Patienten nicht zufriedenstellend, weshalb sich Reizdarm-Patienten oft komplementärmedizinischen Verfahren wie der Homöopathie zuwenden.

Die Forschung zu Homöopathie bei RDS umfasste bislang nur eine kleine Anzahl von randomisierten, kontrollierten Studien von nicht sehr hoher Qualität. Aus diesem Grund wurde nun diese hochwertige klinische Studie mit placebokontrolliertem Design durchgeführt.

Wie wurde die Studie durchgeführt? 

  • 60 RDS-Patienten zwischen 18 und 65 Jahren wurden nach dem Zufallsprinzip entweder mit individuell verordneten homöopathischen Arzneimitteln  (n=30) oder mit Placebo (n=30) behandelt.
  • Das Hauptziel der Studie bestand darin, die Lebensqualität der Teilnehmer anhand eines speziell für Patienten mit RDS entwickelten Fragebogens zu bewerten.
  • Ein weiteres Ziel bestand darin, den Schweregrad des Reizdarmsyndroms in beiden Gruppen klinisch zu beurteilen und zu vergleichen. Dazu wurde eine Skala für den Schweregrad der Reizdarmsymptome verwendet, die anhand von Parametern wie Schmerz, Blähungen, Darmstörungen und allgemeinem Wohlbefinden eine Gesamtbewertung erlaubte.
  • Die Patienten wurden 3 Monate beobachtet, die Parameter wurden monatlich bewertet.

Homöopathie bei Reizdarmsyndrom: Was sind die wissenschaftlichen Ergebnisse? 

  • In den Monaten 1, 2 und 3 zeigte sich ein statistisch signifikanter Unterschied im RDS-bezogenen Lebensqualitäts-Score zugunsten der Homöopathie -Gruppe[2] (p<0,001 zu allen drei Zeitpunkten).
  • Der Schweregrad der RDS-Symptome war in der Homöopathie-Gruppe im Vergleich zur Placebogruppe zu allen drei Zeitpunkten[3] signifikant niedriger (Monat 1, p=0,032; Monate 2 und 3, p<0,001).

Warum sind die Ergebnisse dieser Studie wichtig und was tragen sie zu den wissenschaftlichen Erkenntnissen bei?

Die Studienergebnisse deuten auf eine positive Wirkung einer individualisierten homöopathischen Behandlung bei Patienten mit RDS hin: Im Vergleich zu Placebo war die Lebensqualität besser und der Schweregrad der RDS-Symptome geringer. Angesichts der beeinträchtigenden Symptome des Reizdarmsyndroms und der geringen Patienten-Zufriedenheit mit der konventionellen Behandlung[4] ist es nicht überraschend, dass etwa 50 % der Patienten mit RDS eine komplementärmedizinische Behandlung[5] in Betracht ziehen. Aufgrund der Häufigkeit des Reizdarmsyndroms sind diese Studienergebnisse wichtig, da sie darauf hindeuten, dass Homöopathie eine mögliche Behandlungsoption für viele dieser Patienten sein könnte.

Bislang fehlten qualitativ hochwertige Evidenz für die Wirksamkeit von Homöopathie bei Reizdarmsyndrom, da Studien mit geringer Teilnehmerzahl (kleiner Stichprobenumfang) und kurzen Nachbeobachtungszeiträumen durchgeführt worden waren. Hingegen wurde bei der hier vorgestellten aktuellen Studie das wissenschaftliche Goldstandard-Design der doppelblinden, placebokontrollierten RCT-Studie (randomisierte kontrollierte Studie) angewendet. Die angemessene Stichprobengröße und Nachbeobachtungszeit minimiert Verzerrungen und Störfaktoren, die die Ergebnisse verfälschen könnten. Mit ihrer wissenschaftlich soliden Methodik ist diese Studie ein wichtiger Schritt in der Entwicklung der Evidenzbasis für die homöopathische Behandlung des Reizdarmsyndroms. Die Autoren sprechen sich für die Durchführung weiterer hochwertiger Studien dazu aus.

Wo wurden die Ergebnisse veröffentlicht?

Das AD, Ghosh S, Palanisamy C, Guha N, Mandal S, Maiti S et al. Efficacy of individualized homeopathic medicines in irritable bowel syndrome: A double-blind randomized, placebo-controlled trial. Explore 2023;19:519-527.

  • [1] Basseri RJ, Weitsman S, Barlow GM et al. Antibiotics for the treatment of irritable bowel syndrome. Gastroenterol Hepatol 2011;7(7):455-493.
  • [2] Monat 1: -14.4 ± 3.8, Monat 2: -27.0 ± 4.8, Monat 3: -29.4 ± 5.1
  • [3] Monat 1: -32.4 ± 14.7, Monat 2: -68.0 ± 17.4, Monat 3: -99.5 ± 19.5
  • [4] Shen Y-H, Nahas R. Complementary and alternative medicine for treatment of irritable bowel syndrome. Can Fam Physician 2009;55: 143-148
  • [5] Kong SC, Hurlstone DP, Pocock CY, Walkington LA. The incidence of self-prescribed oral complementary and alternative medicine use by patients with gastrointestinal diseases. J Clin Gastroenterol 2005;39:138-141.
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